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MEIN HALBER VATER

Als der Vater aufgrund eines Schlaganfalls vom starken Familienoberhaupt zum Schwerbehinderten wird, greift Viki Kühn zur Kamera und beginnt eine Suche nach dem Vergangenen, dem Jetzt und dem, was kommen mag. MEIN HALBER VATER erzählt, auch auf humorvolle Art und Weise, die Geschichte einer Wiener Familie, die vom Schicksal heimgesucht wird. Die damit hadert, die verzweifelt, deren Wunden irgendwann zu heilen beginnen, die lernt zu akzeptieren, die dem Loslassen begegnet und die auch wieder Hoffnung zu finden sucht.

© KGP Filmproduktion

AT/ DE 2026, 92 Minuten
Sprache: Deutsch
Regie: Viki Kühn
Drehbuch: Viki Kühn
Kamera: Viki Kühn
Schnitt: Joana Scrinzi, Viki Kühn
Musik: Peter Kutin
Dramaturgie: Dieter Pichler
Produzentin/nen: Barbara Pichler, Gabriele Kranzelbinder
Produktion: KGP Filmproduktion
Förderung: ÖFI, ÖFI+, 3sat

Festivals
Diagonale 2026 - Weltpremiere




Zu MEIN HALBER VATER von Viki Kühn

Unmittelbar nachdem ihr Vater einen Schlaganfall erleidet, beginnt Viki Kühn zu filmen – zunächst in der Klinik, dann im Elternhaus in Wien. Das Familiengefüge ist erodiert. Der Vater, halbseitig gelähmt, findet seine Sprache nicht mehr und kann sich nur eingeschränkt bewegen, die Mutter rückt in die Rolle der Pflegerin und familiären Autorität. In der doppelten Position von Tochter und Filmemacherin – zeitweise auch als Co-Pflegerin – dokumentiert Viki Kühn, was nun Alltag ist: die Herausforderungen morgendlicher Routinen, Brettspiele und andere Rituale, die Belastungen durch physisches Leid, das Nebeneinander von Ohnmacht und Normalität. Kühns Kamera, mal statisch, doch meist aus der Hand geführt, ist mehr als ein Aufzeichnungsgerät. Sie schafft Abstand und drängt zugleich unerbittlich nach Nähe. Wiederholt versucht sie, gleichsam wie ein sensorisches Instrument die eingeschränkte Welt des Vaters nachzuempfinden, nimmt die Blickperspektive von seinem Krankenbett aus ein oder findet durch taktile Bewegungen Momente körperlicher Identifikation.
Als Vater- und Familienporträt ist „Mein halber Vater“ untrennbar mit dem Selbstporträt verbunden. So bekommen auch die eigenen ambivalenten Gefühle ihren Raum, die Trauer über den Verlust der früheren Vaterfigur und die Dankbarkeit für das Noch-immer-Dasein des „halben Vaters“, der Wunsch ihn festzuhalten. Manchmal wird die Präsenz des Augenblicks von sensuellen Erinnerungsfragmenten überlagert und die Filmemacherin imaginiert sich im Voiceover in den geschützten Zustand der Kindheit zurück, der durch die dramatische Zäsur ein plötzliches Ende fand.
In der Wiederholung der immer gleichen Abläufe – Pflegearbeit, familiäre Rituale, das jährliche Weihnachtsfest – gehen Zeiträume nahtlos ineinander über, am Ende sind, kaum merklich, acht Jahre vergangen. Während der Vater fragiler wird und sich mehr und mehr in sich zurückzieht, findet der Film in der erschöpften wie unermüdlich tätigen Mutter sein neues Zentrum.
Obgleich radikal autobiografisch wird „Mein halber Vater“ zu einer überpersönlichen Betrachtung: von körperlicher Versehrtheit, familiären Rollen und den Veränderungen, die Älterwerden bedeuten.

ESTHER BUSS

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Als Viki Kühns Vater einen Schlaganfall erleidet, wird die Mutter plötzlich zum neuen Familienoberhaupt. Mit der Handkamera begleitet die Regisseurin ihre Eltern in den nächsten acht Jahren, wobei sie nicht davor zurückscheut, die unmittelbaren Folgen der Erkrankung zu zeigen. Ein starkes Plädoyer für die Wertschätzung unsichtbarer Care-Arbeit sowie eine emotionale Reflexion über das eigene Erwachsenwerden. Das Greifbare im Leben ist stets flüchtig, allein die Erinnerung bleibt.

Mit der Oma ein Eis essen, im Freibad in der Sonne liegen. Und dann ist man „plötzlich erwachsen, ob man will oder nicht“, wie Viki Kühn aus dem Off über den Verlust der Kindheit reflektiert. Über jenen der Großeltern und, wie sich langsam herauskristallisiert, den baldigen des Vaters. Denn dieser hat einen schweren Schlaganfall erlitten, die rechte Körperhälfte ist seither gelähmt. Kühn begleitet den Alltag der Eltern mit der Handkamera. Beobachtet, wie die Mutter, deren Care-Arbeit immer weiter in den Mittelpunkt rückt, zum Oberhaupt der Familie wird.

Scheinbare Belanglosigkeiten wie der Wohnungsputz, aber auch das Schmücken des Weihnachtsbaums geraten wiederholt in den Fokus der mobilen Kamera. Aber diese Tätigkeiten bedeuten hier keine Ablenkungen, sondern liefern die Erkenntnis, dass es trotz der belastenden Situation immer auch Alltägliches zu erledigen gibt. Auch scheut die Filmemacherin und Tochter nicht davor zurück, die unmittelbaren Folgen des Schlaganfalls zu zeigen: den dürren Körper des Vaters, die Sprachlosigkeit, den zunehmenden Grant. Doch Kühn vermeidet jeden Anflug von Voyeurismus, indem sie die Aufnahmen, wohl auch aus Gründen der Pietät, zunehmend verfremdet und auch mit sich selbst ins Gericht geht. Das Erwachsenwerden kollidiert mit dem Festhalten an der Vergangenheit. Im Hinblick auf den Umstand, dass der Vater bereits seit acht Jahren ans Bett gefesselt ist, meint die Mutter zur weinenden Tochter: „Da willst du ihn noch 20 Jahre haben, das finde ich egoistisch.“ Letztendlich ist das Greifbare im Leben stets flüchtig, allein die Erinnerung bleibt.

SUSANNE GOTTLIEB (Diagonale 26´)

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PIECES OF MY FATHER

Documentary Film, AT 2026, DCP, 92 min

When Viki Kühn’s father suffers a stroke, her mother suddenly becomes the new head of the family. With the hand camera, the director accompanies her parents for the next eight years, and in doing so, doesn’t shy away from showing the immediate effects of the illness. A powerful plea for recognizing invisible care work, and an emotional reflection on growing up. What is tangible in life is always fleeting; all that remains is memory.

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